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Hilfe! Mein Hund geht nicht ins Wasser

von freiluftzombie
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Kann eine Schwimmweste einem ängstlichen Hund dabei vielleicht helfen?

Immer wieder bekommen wir die Frage gestellt, ob eine Schwimmweste einem Hund dabei helfen kann, sich ans Wasser zu gewöhnen oder gar Hunden die Angst vor Wasser zu nehmen. Und ja! Das kann eine Schwimmweste! Natürlich wird die Schwimmweste nicht bei allen Hunden das Heilmittel sein, aber wenn es nur ein paar Hunden hilft, das Wasser genau so genießen zu können, wie es viele andere Hunde tun, dann ist es doch einen Versuch wert, oder nicht?!

Man könnte jetzt auch der Meinung sein, dass man einem Hund, der Angst vor Wasser hat, “in Ruhe” lassen soll und ihn mit seiner Angst weiter leben lassen soll… Ja, selbst von “nicht zwingen” ist in diesem Kontext immer wieder die Rede… Wir sind jedoch der Meinung, dass es viel schöner ist, einem Hund eine Angst (ganz egal welche) zu nehmen… gemeinsam daran zu arbeiten und gemeinsam daran zu wachsen! Und hierbei geht es nun wirklich um keinen Zwang!
Wenn ein Kind Angst vor dem Monster unter dem Bett hat, schaut man gemeinsam nach und versucht dem Kind die Angst zu nehmen, statt die Angst hinzunehmen und das Kind mit der Angst großwerden zu lassen… Nein, Kinder sind keine Hunde und Hunde keine Kinder, aber wir finden den Vergleich ganz passend.

Ganz Persönlich….

An dieser Stelle möchten wir noch eine ganz persönliche Geschichte mit einbringen…
Vor vielen Jahren haben wir eine Hündin aus einer Hinterhof”zucht” übernommen. Sie war gesundheitlich unglaublich angeschlagen und auch psychisch extrem mitgenommen. Wir persönlich konnten uns ein Bild davon machen, wie dieser Hund “lebte” und können bis heute nicht verstehen, wie solch ein toller Hund, trotz dieser Umstände, aus ihr werden konnte…
Aber um auf das eigentliche Thema zurückzukommen – neben vielen extremen Ängsten, wie beispielsweise die Angst vor Männern, die sie immer wieder dazu zwang, sich auf den Boden zu schmeißen und nicht mehr zu bewegen, war eine Angst unglaublich intensiv… die Angst vor Wasser. Zu Schwimmen war undenkbar! Selbst kleine Pfützen haben dieser Hündin zugesetzt… im Regen spazieren gehen? Undenkbar!
Aber, genau wie an allen anderen Ängsten, haben wir auch an der Angst vor Wasser gearbeitet! Wir haben monatelang jeden Tag einen Bach besucht… die ersten Wochen sind nur wir Zweibeiner in den Bach, die Hündin hätten keine 10 Pferde da rein bekommen und das war auch vollkommen in Ordnung so! Wir haben Monate damit verbracht, diesem Hund zu zeigen, dass sie uns vertrauen kann und dass Wasser etwas ganz tolles sein kann… Und was sollen wir sagen? Nach sehr viel Zeit und Arbeit ist sie schlussendlich das erste mal ins Wasser… erst nur mit dem einen Pfötchen, dann mit dem zweiten, dann mit allen vieren… anfangs nur kurz, dann immer länger… und am Schluss? Zum Schluss war sie eine Wasserratte! Ja, wirklich! Sie fand das Wasser nicht nur okaaaay, sondern sie hat es geliebt! Sie war am Ende gar nicht mehr aus dem Wasser rauszubekommen!
Selbst heute, viele Jahre nach ihrem Tod, hängt ein riesiges Foto von ihr an unserer Wand und was sieht man darauf? Genau, “Jill” im Wasser! <3

Diese Geschichte soll zum einen zeigen, dass man mit seinem Hund gemeinsam Berge versetzen kann, aber auf der anderen Seite auch sagen, dass es vollkommen okay und richtig ist, mit seinem Hund auch an Ängsten zu arbeiten! Dass das nichts mit Zwang oder “in Ruhe lassen” zu tun hat!

Erfolgsgeschichten

“Conner ist ein 7-jähriger Siberian Husky, der seit 2 Jahren mit mir zusammen an der Ostseeküste in MV lebt. Wir sind sehr gerne zusammen aktiv. Sei es Zugsport, Joggen oder Wandern! Da nun die Sportsaison aber vorbei ist und wir uns in sehr sommerlichen Temperaturen bewegen, brauchen wir nun natürlich auch weiterhin eine Beschäftigung für die Auslastung und natürlich auch um die Kondition aufrechtzuerhalten. Wir leben umgeben von Wasser, auf der einen Seite die Ostsee und auf der anderen Seite sehr sehr viele Seen. Da ist Schwimmen natürlich die naheliegendste Option was Auslastung, Konditionserhalt und Abkühlung angeht. Nun gab es aber das Problem, dass Conner zwar schwimmen wollte, er liebt Wasser, aber ihm schien der Auftrieb zu fehlen. Dadurch tauchte er öfters mit der Nase unter, atmete Wasser ein und musste daraufhin husten. Das hat ihm die Freude am Schwimmen sehr genommen, wodurch er nur noch mit den Füßen und max. bis zum Bauch hineinging. Dieses Jahr habe ich pünktlich zum Sommer dann eine Schwimmweste bestellt, am Folgetag gleich ausprobiert und seitdem bin ich sehr begeistert! Conner hat endlich den Auftrieb den er benötigt um mit der Nase nicht unterzutauchen und schwimmt nun fröhlich seine Runden und dies auch mehrmals hintereinander!”

Husky mit Schwimmweste
Bild & Text @mein.freund.der.husky
Bild & Text @mein.freund.der.husky

“Zuerst einmal zu Tony: Er ist ein zweijähriger Australiansheperd-Tibetterier-Mischling aus dem Tierschutz. Eigentlich sollte er ein Aussiedoodle sein, aber laut Gentest seines Bruders steckt Tibet Terrier in ihm anstatt Pudel. Das ist aber eine andere Geschichte. Tony ist mit ca. 12 Wochen bei uns eingezogen, da ging es ihm gesundheitlich leider nicht so gut, da er aus einer Zucht stammt, wo insgesamt 136 Hunde in einem Zweifamilienhaus gehalten wurden.

Jetzt aber zum Thema Schwimmweste. Tony ist generell ein eher unsicherer Hund und ist nicht immer der Mutigste. Schon schnell hat man gemerkt, dass er beim Gassi jede Pfütze und jeden Grab mit Wasser im Wald mitnehmen musste. Da wir aus der Eifel kommen, in der es viele Maare gibt, gibt es auch viele Möglichkeiten zum Schwimmen für die Hunde. Tony ist auch immer schnell im Wasser gewesen, wenn wir dort waren. Allerdings ist er immer nur soweit reingefallen, wie er stehen konnte. Mit der Zeit traute er sich auch mal zu schwimmen, aber nach ein bis zwei Metern drehte er direkt panisch um zum Ufer. Man sah aber an seinem Verhalten, dass er gerne mehr schwimmen wollte. Also entschieden wir uns zur Schwimmweste zu greifen, um ihm mehr Sicherheit zu geben. Seitdem traut er sich immer mehr an das kühle Nass heran und es gibt uns auch ein gutes Gefühl, weil er zudem, dass er sich nicht traut immer relativ tief mit dem Rücken abgesunken ist.

Wir sind sehr froh zur Schwimmweste gegriffen zu haben. Tony freut sich ebenfalls sehr. Wir hoffen, dass wir diesen Sommer noch mit Fortschritte mit der Schwimmweste erzielen können.”

Bilder & Text @tony_aussiedoodle
Bilder & Text @tony_aussiedoodle
Hund mit Schwimmweste
Bilder & Text @tony_aussiedoodle
Bilder & Text @tony_aussiedoodle

“Die komplette Geschichte fing mit unserer grauen Schäferhündin an. Diese war eine absolute Wasserratte, im nassen Zustand hatte sie auch gewisse Ähnlichkeiten mit einer. Die Sommer verbrachten wir an einem nahegelegenen See in welchem man (Mensch und Hund) schwimmen konnte.

Als sie starb zog kurz daraufhin im Januar 2017 Merida mit 8 Wochen ein. Merida ist eine 50/25/25 Mischung aus Deutschem Schäferhund, Australian Cattle Dog und Bayrischem Gebirgsschweißhund. An den ersten warmen Tagen waren wir also selbstverständlich wieder am See. Auch dieser Hund hatte schließlich zu schwimmen🤷🏼‍♀️ Mit dieser Erwartung im Kopf war der erste Kontakt mit Wasser dementsprechend eine Katastrophe. Der Hund soff uns schier ab. Je mehr sie paddelte desto mehr befand sie sich in der Senkrechten und desto mehr ging sie unter. Wir retteten sie. Danach war Wasser böse. Klar, das Junghundchen hatte auch große Panik gehabt. Zuerst wollte ich hinschmeißen. Wozu soll sie denn wenn sie nicht will?! Dann aber… es war halt schon immer schön auch bei heißem Wetter gemeinsam draußen zu sein, sich abkühlen zu können und allgemein die ganze Atmosphäre dort. Und wir hatten nun einen flauschigen, recht dunklen Hund…

Also recherchierte ich wie man den Hund ans Schwimmen gewöhnen könnte. Wir kauften uns eine Schwimmweste, ein tolles Schwimmspieli und eine einfache Schleppleine um das Spieli zu sichern^^ So ausgestattet machten wir uns auf den Weg zum Fluss. Dort gab es wenig Ablenkung und viele gute flache Stellen um ins Wasser zu gelangen. Hier fingen wir an im flachen Wasser mit dem Spieli zu spielen und mit Mal zu Mal am Fluss war es selbstverständlicher und toller. Dieses Spieli bekam sie auch immer nur am/im Wasser, hatte also einen hohen Stellenwert. Irgendwann flog das Spieli (beabsichtigt) genau über die Stelle an der sie nicht mehr stehen konnte. Sie watete bis zu der Stelle… und quietschte vor Verzweiflung. Streckte sich noch ein Stück und die Weste hob sie hinten an und trieb sie ein Stück nach vorn. Sie packte ihr Spieli und rettete es. So ging es im weiteren „Trainingsverlauf“ immer weiter, immer wieder mal flog es über die besagte Stelle hinaus und wurde trotzdem geholt. Merida gewann Selbstvertrauen und auch wenn sie mal wieder kurz in Panik verfiel und zu schnell paddelte verhalf die Weste trotzdem zu einer richtigen Schwimmhaltung und sie beruhigte sich umgehend. Nach einigen Malen war es „normal“ für sie ins Wasser zu sprinten und mit Hilfe der Weste (durch die Unterstützung/den Auftrieb und die Hilfe bei der Position) zum Spieli zu schwimmen. Tag X kam und wir starteten mit Weste, zogen sie aber irgendwann aus. Kurz erschrak sie beim Schwimmen durch die veränderten Verhältnisse (mehr aufzubringende Kraft und bisschen mehr Körperspannung), aber ließ sich nicht mehr beirren. Ab diesem Zeitpunkt konnte der Hund schwimmen😊

Die letzten zwei Jahre starteten wir die Schwimmsaison am Fluss mit der Weste um auf Nummer sicher zu gehen und auch dieses Jahr werden wir es wieder so handhaben.

Außer der Reihe benötigen wir die Weste noch zum gelegentlichen Physio-Schwimmen. Merida wird unter anderem sportlich im Turnierhundesport geführt, dies und die Tatsache dass der Hund ein Stück länger als hoch ist führt nämlich unweigerlich immer mal wieder zu Blockaden oder Verspannungen. Physio-Schwimmen ist einfach gut zum Muskelaufbau ohne negative Belastungen und durch die Schwimmweste muss sich Hund nicht auf die Position konzentrieren (was im Trieb eh bisschen schwer ist^^) und hält auch länger durch 😃”

Hund mit Schwimmweste
Bild & Text @merida_germanshepherdmix
Bild & Text @merida_germanshepherdmix

Du hast auch eine Erfolgsgeschichte mit der Schwimmweste und deinem Hund zu erzählen? Dann schreib uns gerne auf Instagram und wir freuen uns, diese auch hier zu veröffentlichen!

Zum Abschluss…

Natürlich reicht es nicht, jetzt den nächsten Zoofachhandel anzusteuern und die nächstbeste Schwimmweste zu kaufen und anschließend rennt der Hund voller Freude ins Wasser 😀
Zuallererst sollte es eine Schwimmweste sein, die auch wirklich gut sitzt. Denn wenn es zwickt und die Schwimmweste den Hund auch noch total einschränkt, kann das ganze natürlich eher weniger etwas werden…

Aber auch eine gut sitzende Schwimmweste ist kein Allheilmittel. Sie kann einem Hund mehr Sicherheit geben und auch ein bessere Gefühl, aber das weiß der Hund natürlich nicht vom alleinigen tragen der Schwimmweste.
Hier ist bei vielen Hunden Geduld, Liebe, Vorsicht und etwas Überzeugendes erforderlich 🙂 Ob das Leckerlies sind, Spielzeug, man selbst als Besitzer, oder oder oder…

Gemeinsame Erfolgserlebnisse schaffen Bindung und (Selbst)Vertrauen zwischen Mensch & Hund!

Mehr zum Thema Schwimmwesten und anschauliche Beispiele (nicht alle Videos sind schön anzusehen, aber sie verdeutlichen die Dringlichkeit einer Schwimmweste!) findest du auf Instagram unter dem Story Highlight “Schwimmweste”.

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